Ausstellungen

Jens Bachmayer: 8 – 15 Hertz

5. Februar – 17. Juli 2015

Jens Bachmayer ▪ Bild: Bachmayer
Jens Bachmayer, CCW13, Acryl, Bleistift, Faserstift auf Leinwand, 2013

Der Titel „8 – 15 Hertz“ vereint drei Arbeitskomplexe, deren Werke sich überwiegend zeichnerischer Mittel bedienen und teilweise in den Bereich der Malerei hineinbewegen. Allem voran steht der kleinformatige Arbeitszyklus „Substitutionen und Permutationen“, der mittlerweile mehr als 150 partiturenhafte Zeichnungen auf Papier umfasst und den Ausgangspunkt für die großformatigen Arbeiten auf Leinwand bildet. Zu diesen gehören die querformatigen Werke, die unter dem Titel „Iterationen“ laufen, sowie die kartografisch anmutenden Werke mit dem übergeordneten Titel „CCW“. Trotz dieser Einteilung stehen die Bilder aufgrund der verwendeten ästhetischen Mittel und Operationen in eindeutiger Beziehung zueinander.

Jens Bachmayer, ohne Titel, Mischtechnik auf Leinwand, 2012
Jens Bachmayer, ohne Titel, Ausschnitt, Mischtechnik auf Leinwand, 2012

Neben dem sowohl deckenden als auch lasierenden Gebrauch der Nichtfarben Schwarz und Weiß bildet die mit Kugelschreiber, Blei- oder Faserstift gezeichnete Linie das Hauptaugenmerk. Die Arbeiten grenzen sich deutlich von gegenständlichen oder illustrativen Darstellungen ab. Vielmehr nutzen sie die dokumentarischen, skizzierenden und studienhaften Eigenschaften der Zeichnung und verdeutlichen anhand der künstlerischen Untersuchung von musikalischen und mathematischen Sachverhalten ihre Nähe zum Rationalen, zum Abstrakten und zum geistig Nonverbalen. Die Linie orientiert sich überwiegend an der senk- und waagerechten Richtung und ist durch ihren jeweiligen Anfangs- und Endpunkt räumlich und zeitlich definiert. Sie wird zu Texturen und Mustern verwoben, dient als Koordinatensystem, umschließt Räume oder wuchert als mäanderartige Spur über den Bildraum. In jeder Hinsicht ist sie eine Repräsentanz und Abstraktion von Bewegungen im Verhältnis zu Raum und Zeit.

Jens Bachmayer, CCW14.1, Acryl, Bleistift, Faserstift auf Leinwand, 2014
Jens Bachmayer, praeCCW 15.2, Bleistift, Faserstift auf Papier, 2014

Die künstlerische Auseinandersetzung mit der immateriellen, vierten Dimension ist innerhalb der drei Arbeitskomplexe ein zentrales Leitmotiv. Die Zeichnungen des Zyklus „Substitutionen und Permutationen“ haben einen starken prozesshaften Charakter und dokumentieren nun bereits seit drei Jahren den inhaltlichen und formalen Wandel der Werke. Dahingegen spielen die Arbeiten des Komplexes „CCW“, die sich einfacher mathematischer Algorithmen bedienen und an der Grenze zur Unübersichtlichkeit befinden, mit der Ungreifbarkeit von Zeit. Zwar werden die vergangenen, zeichnerischen Spuren durch lasierende Farbschichten konserviert, aber gleichzeitig entziehen sie sich dadurch ein Stück weit der sinnlichen Wahrnehmung. Genauso wie das Übermaß verringert auch das Fehlen von Informationen die Nachvollziehbarkeit der Werke und so versetzen sie den Betrachter in eine ambivalente Situation, die ihn zu einem leiblichen Sehen als geistige Aktivität herausfordert. So spielt auch der Titel „8 – 15 Hertz“, der sich auf die Werte eines Elektroenzephalogramms in der Neurologie bezieht, auf diese dem Menschen eigenen Fähigkeiten an. In Anbetracht des psychografischen Charakters der Zeichnung, der den Rückschluss auf die unterschiedlichen Zustände von kontemplativer Meditation, vom Flow-Erleben bis hin zur wahnhaften Besessenheit erlaubt, entsteht letztendlich eine facettenreiche, sinnlich erlebbare Darstellung des menschlichen Wesens.

Einzelausstellungen

2013
„irritare iterare“, Galerie der Lilienthaler Kunststiftung